Wer zum ersten Mal ein LGS betritt, steht oft vor einem Rätsel. Die Leute spielen Magic, aber irgendwie scheinen alle nach anderen Regeln Decks zu bauen. Damit du genau weißt, an welchen Tisch du dich setzen kannst, werden hier alle wichtigen MTG Formate erklärt. Du erfährst, worauf du beim Deckbau achten musst und welche Events für deinen Einstieg am besten geeignet sind.
Warum gibt es verschiedene Formate?
In über 30 Jahren Magic-Geschichte wurden zehntausende Karten gedruckt. Wenn man all diese Karten in einem einzigen Format spielen würde, wäre das Spiel extrem unübersichtlich und absurd teuer. Deshalb geben Formate genau vor, welche Editionen für den Deckbau erlaubt sind. So entstehen völlig unterschiedliche Spielumgebungen, die von entspannten Casual-Runden bis hin zu hochkompetitiven Turnieren reichen.
Konstruierte Formate (eigenes Deck)
Du bringst dein fertiges Deck in einer Deckbox mit zum Event. Das ist das klassische Constructed-Prinzip, bei dem du dir alle Karten vorher gezielt kaufst oder ertauschst.
Standard
Hier spielst du ausschließlich mit Karten aus den regulären Sets der letzten zwei bis drei Jahre. Standard unterliegt einer Rotation, was bedeutet, dass im Herbst die ältesten Editionen aus dem Format fallen und Platz für neue Mechaniken machen. Es gilt als das klassische Einstiegsformat für kompetitives Spiel auf lokalen Turnieren. Für ein wettbewerbsfähiges Top-Deck zahlst du hier aktuell zwischen 50 und 400 Euro.
Pioneer
Wenn dir Standard auf Dauer durch die Rotation zu anstrengend wird, ist Pioneer die logische nächste Stufe. Wenn dir MTG Pioneer erklärt wird, fällt meistens direkt eine bestimmte Jahreszahl: 2012. Alle regulären Sets ab Return to Ravnica sind hier legal, weshalb das Format völlig auf extrem starke Karten der frühen Magic-Jahre verzichtet. Pioneer ist weitgehend stabil, deine Decks bleiben also über Jahre spielbar, wobei die Kosten meist bei 100 bis 300 Euro liegen.
Modern
Wer den genauen Unterschied Standard Modern Magic verstehen will, muss vor allem auf den riesigen Kartenpool und die Spielgeschwindigkeit schauen. Modern umfasst alle regulären Sets ab 2003 sowie spezielle Direct-to-Modern-Editionen wie Modern Horizons. Die Synergien auf dem Stack sind hier extrem komplex und Spiele enden oft schon in Zug drei oder vier. Aufgrund der steilen Lernkurve und Deck-Kosten von 300 bis 1000 Euro ist es ein Format für sehr erfahrene Spieler.
Legacy
In Legacy greifst du auf fast die gesamte Kartengeschichte von Magic zurück. Hier fliegen dir ikonische Power-Karten wie Force of Will oder originale Dual Lands um die Ohren. Das Format wird wegen der absurden Preise für diese alten Karten nur noch selten im LGS als sanktioniertes Turnier gespielt. Wenn es angeboten wird, erlauben viele Stores oft Proxies, um die Tische voll zu bekommen.
Vintage
Vintage ist das Format ohne Kompromisse. Selbst die historisch stärksten Karten wie der legendäre Black Lotus sind hier erlaubt, werden aber auf ein Exemplar pro Deck limitiert. In Papierform findet Vintage auf lokalen Events quasi nicht mehr statt, da ein Deck schnell den Wert eines Kleinwagens übersteigt. Die aktive Szene für dieses Format spielt größtenteils online.
Commander (EDH)
Commander bricht mit der typischen 1v1-Turnierstruktur und wird meistens mit vier Spielern am Tisch gespielt. Du baust ein 100-Karten-Deck um eine legendäre Kreatur, deinen Commander, und darfst jede Karte außer Standardländern genau einmal spielen. Es ist das weltweit beliebteste Casual-Format und ideal für lange Abende mit guten Gesprächen und Politik am Tisch. Alles Weitere zum Deckbau und den Regeln findest du in unserem detaillierten Commander-Guide.
Limited-Formate (Karten vor Ort gewählt)
Beim Limited brauchst du vorab keine eigenen Karten. Du öffnest Booster erst beim Event und baust dein Deck direkt vor Ort aus dem, was du ziehst.
Booster Draft
Die Magic Draft Regeln sind schnell erklärt und garantieren absolut faire Bedingungen für alle Teilnehmer. Acht Spieler sitzen am Tisch, jeder öffnet einen Booster, pickt eine Karte und gibt den Rest verdeckt an den Sitznachbarn weiter. Am Ende baust du aus den gesammelten Karten ein 40-Karten-Deck, für das der Store dir die nötigen Standardländer stellt. Mit rund 15 bis 20 Euro Startgebühr ist Draft die beste Methode, um skillbasiert zu spielen und gleichzeitig eine eigene Sammlung aufzubauen.
Sealed
Beim Sealed-Format gibt es kein Durchreichen der Karten. Du bekommst einfach sechs Boosterpacks in die Hand gedrückt, reißt sie auf und bastelst aus genau diesem Kartenpool dein 40-Karten-Deck. Es erfordert ein gutes Auge für Synergien und Manakurven, da du nur mit dem arbeiten kannst, was in deinen Boostern war. Dieses Format triffst du vor allem auf Prerelease-Events an.
Welches Format ist das richtige für Anfänger?
Wenn man sich anschaut, welches MTG Format für Anfänger den besten Start liefert, kristallisieren sich drei klare Optionen heraus.
Empfehlung 1: Booster Draft
Draft zwingt dich nicht, gegen Decks anzutreten, die ein Vielfaches deines Budgets kosten. Jeder am Tisch startet mit exakt denselben Voraussetzungen und dem gleichen Karten-Pool. Du lernst extrem schnell, wie man solide Decks baut und Kreaturen im Kampf effizient abtauscht. Fast jedes LGS bietet regelmäßige Draft-Abende an, für die du einfach nur Sleeves mitbringen musst.
Empfehlung 2: Commander
Der sozialste Weg in die Community führt definitiv über Commander. Du kaufst dir im Store einfach ein vorgefertigtes Commander-Precon für etwa 50 Euro und bist sofort spielbereit. Da es sich um ein Multiplayer-Format handelt, verzeiht das Spiel Fehler viel leichter, weil die Mitspieler dich bei Rückständen oft in Ruhe lassen. Die Atmosphäre ist durchweg entspannter als bei klassischen 1v1-Turnieren.
Empfehlung 3: Standard (für den Wettbewerb)
Willst du den echten kompetitiven Kick spüren, solltest du dich auf Standard fokussieren. Das offizielle FNM Format ist in vielen Stores auf Standard ausgelegt und bietet dir jeden Freitagabend echte Turnieratmosphäre. Du musst dir dafür allerdings gezielt ein solides Deck zusammenkaufen, was über Einzelkarten meist um die 100 bis 200 Euro kostet. Dafür lernst du das Spiel hier mechanisch am saubersten, da die Boardstates übersichtlicher bleiben.
Formate im LGS — Wann läuft was?
Jedes LGS organisiert seinen Kalender etwas anders, aber der Rhythmus ist in der Community erstaunlich konstant. Freitags steht traditionell Friday Night Magic auf dem Plan, wo zumeist Standard oder Booster Draft gespielt wird. Samstage sind oft für größere Turniere oder die Sealed-Events zu Set-Releases geblockt. Sonntags dominieren dann die entspannten Commander-Runden, wo Spieler ohne feste Rundenzeiten zusammenkommen.
Check am besten die aktuellen Magic-Events in deiner Nähe oder suche in unserem Verzeichnis nach Stores in deiner Umgebung, um direkt loszulegen.